Revisiting Against Method

Revisiting Against Method

Forschungsnetzwerk Kritische Methodologie & Ad hoc Gruppe Intertraditionale Wissenskonstitution

Against Method: Outline of an Anarchistic Theory of Knowledge ist der vollständige Titel von Paul Feyerabends vielzitiertem und umstrittenem Beitrag zur Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie und Methodologie von 1975. Mit diesem Panel möchten wir das ‘anarchistische’ Verhältnis zur Organisation von Wissen und die Haltung ‘wider den Methodenzwang’ – so die deutsche Übersetzung des Titels – als Grenzgangsphänomen beleuchten und hinterfragen, sowohl im Kontext der 1970er wie auch in den Seiten- und Fernwirkungen bis heute. Auch wenn eine einfache – antagonistische – Oppositionsbewegung das Nachdenken über Methode anstösst, weist der folgende Argumentationsprozess bei Feyerabend auf relationale, differentielle, unscharfe und transitive Motive, so wie sie auch den border studies und verschiedenen heutigen Kulturtheorien – von Transkulturalitätsstudien oder actor-network theory bis queer studies und anthropocene studies – eingeschrieben sind. Eine Wiederbegegnung mit einem wichtigen Text der 1970er Jahre verspricht also produktive methodologische Auseinandersetzung. Die Stoßrichtung aus Sicht Feyerabends ist eindeutig: Die Selbstsicherheit der rationalistischen Konzepte der Philosophie erinnert stärker an eine dogmatisch-religiöse Verklärung des Vernunftbegriffs als an einen wirklichen Forschungsprozess. Das Vorgehen über die Ein- und Ausschließung von Erklärungsmustern, Forschungsmethoden oder Prognosen wähnt sich selbst im Zentrum eines Paradigmas oder einer Tradition. Für Feyerabend jedoch ist die Wissenschaft auch nur eine Tradition unter anderen; jede Tradition kann etwas zum Wissen beitragen. Dabei bezieht er ‘abgelegte’ Klassiker der Antike ebenso ein wie nichtwissenschaftliche Traditionen. Jede Wissenstradition kann, auch wenn sie nicht aus einem wissenschaftlichen Kontext stammt, dazu beitragen, unsere Perspektive auf unsere Forschungsobjekte zu erweitern und uns damit Möglichkeiten für neue Erkenntnisse eröffnen. Es gibt also gleichberechtigte Zugangsweisen zu den Phänomenen der Lebenswelt, wenn diese auch in ihrem rationalen Geltungsanspruch inkommensurabel nebeneinanderstehen. Wie kann dann die Angemessenheit von Methoden ausfindig gemacht werden? Ist der anarchistische Unterton ‘anything goes’ möglicherweise ein Prototyp für die Methodenvielfalt im Zugang zu kulturellen Topoi – ein Vertrauen, aus dem das offene Wirken aller herrschaftsfrei anerkannt wird? An diese Überlegungen schließt eine Konzeption an, welche verschiedene Wissenstraditionen in einem gemeinsamen Wissensraum wahrnimmt. So stellt sich die Frage nach einer responsiven Forschungslogik, die über ein Sich-affizieren-lassen vom Anderen Ansätze dazu entwickelt, wie unterschiedliche Wissenstraditionen in einen Dialog gebracht werden können, um auf diese Weise neue Erkenntniswege zu eröffnen, die nicht schon im Möglichkeitsraum einer gegenwärtigen Forschungssystematik vorgezeichnet sind.

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