Mediale Grenzüberschreitungen – Modelle von Intermedialität und Multimodalität

Jonas Nesselhauf, Nora Benterbusch (Saarbrücken)

GD HS6

Ein Schritt, um zu verstehen, wie sich gesellschaftliche Ordnungen und Grenzen manifestieren und verschieben, ist es, die Formen zu verstehen, in denen diese verhandelt werden. Betrachtet man Texte oder besser – um dem Primat der Sprache kategorisch zu entgehen – Kommunikate hinsichtlich ihrer inneren und äußeren Kommunikations- und Bedeutungsprozesse, Bedingtheiten und Relationen in Produktion, Distribution und Rezeption, so stellen sich diese stets als ein Wechselspiel von Grenzen und Ordnungen bzw. deren Wahrung, Überschreitung und Neukonstitution dar.
Die Analyse des grenzüberschreitenden Zusammenspiels materieller, medialer, semiotischer und perzeptiver Anteile von Artefakten ist in der gegenwärtigen Forschung nicht nur in den Kulturwissenschaften von großem Interesse, um die Funktionsweise und Bedingtheit von Verständigungsprozessen tiefergehend nachvollziehen zu können. So lässt sich spätestens seit den 1980er Jahren auch ein zunehmendes Nachdenken über Medienwechsel und Konvergenzen zwischen unterschiedlichen semiotischen Modi ablesen. Konzepte wie »Inter-Art Studies«, Intertextualität, Inter , Multi-, Trans-, Pluri- und Crossmedialität sowie Multi-, Inter- und Intramodalität werden verstärkt aus unterschiedlichen Disziplinen erforscht.
Dieses wachsende Interesse an Konvergenzen zwischen Medien und am Wechselspiel von Zeichen- und Sinnesmodalitäten innerhalb von Kommunikationsformen und Kommunikaten aus den verschiedensten Disziplinen hat in den letzten Jahrzehnten zu herausragenden Forschungsleistungen geführt. Allerdings entfalten viele dieser Ergebnisse aufgrund methodologischer und terminologischer Schwächen des Forschungsfeldes nicht ihre volle interdisziplinäre Durchschlagskraft: Sie bleiben meist in ihrer Rezeption und Anschlussfähigkeit auf relativ kleine Bereiche und häufig doch lediglich die eigene Disziplin beschreibende Kreise beschränkt.
Ziel dieses Panels soll es deshalb sein, in einer interdisziplinären Theoriedebatte zu klareren Modellen und Begrifflichkeiten zu kommen, um solche materiellen, medialen, semiotischen und perzeptiven Strukturen und Prozesse besser beschreiben zu können. Eine kulturwissenschaftliche Einleitung sowie drei Impulsvorträge werden dabei die »Theoriewolke« umreißen, der wir uns anzunähern versuchen.
Eine zentrale Frage, die es dabei zu fokussieren gilt, ist, inwiefern sich die Ansätze unterscheiden oder ob sie vielleicht eine simultane Fragestellung aus unterschiedlichen Disziplinen abbilden. Ziel ist es dabei, auf einer individuellen Ebene bei den Diskussionsteilnehmer:innen die Reflexion über eigene Terminologien, Theoriemodelle und Methoden anzustoßen und auf einer kollektiven Ebene die Fragestellungen der einzelnen Ansätze im gemeinschaftlichen Konsens und Dissens zu schärfen.

Vorträge

Multimodales Design und Transkriptivität

Michael Klemm (Koblenz)

Medientheorie der Intermedialität

Philip Hüpkes (Düsseldorf)

Kommunikation in Architektur

Sabine Zierold (Weimar)