Grenzüber-/Grenzunterschreitende Objekte. Boundary objects und die Bewegtheit der Dinge

Sektion Materielle Kulturen: Nicole Maruo-Schröder, Marion Steinicke (Koblenz)

GD HS2

Grenzziehungen dienen nicht nur der Inklusion, sondern immer auch der Exklusion, eine Mehrdeutigkeit, die sich auch im Begriff der Grenze selbst zeigt: Diese schließt nicht nur ein und aus und ist auf diese Weise eine Art End- und Abschlusspunkt, sie ist ebenfalls ein Ort des Übergangs, eine Schwelle zwischen Innen und Außen, dem, was dazu gehört und dem, was nicht dazu gehören soll. Ohne anerkannte Grenzen (in realen wie mentalen Räumen) finden auch die Dinge nicht ihren Ort, sind nicht verfügbar, oft gar nicht sichtbar. Dinge können Grenzen markieren und annullieren, sie heben Grenzziehungen auf und formieren neue Grenzbereiche. Wie der englische Begriff b/ordering verdeutlicht, sind Grenzziehungen somit ordnungskonstitutive Versuche, die aber zugleich potentielle Um- und Neuordnungen respektive Über- wie Unterschreitungen von Grenzen beinhalten. Die Sektion „Materielle Kulturen“ möchte auf der Jahrestagung der Kulturwissenschaftlichen Gesellschaft 2020 den Bewegungen von Dingen in Zeit und Raum (weiter) nachgehen und sich dabei auf die Oszillation zwischen Materialität und Immaterialität konzentrieren. Im Fokus sollen die Funktionen materieller Kulturen und der ihnen zugehörigen (Ordnungs-) Praktiken der Ein- und Ausgrenzung, vor allem aber der Übergänglichkeit und Unterminierung sowie der Aufhebung und Neubewertung von Grenzen stehen. Der Panelvorschlag knüpft damit u.a. an das von Susan Leigh Star und James Griesemer entwickelte Konzept der boundary objects an, die eine besondere Dichte von ergänzenden Deutungsangeboten zulassen und dadurch die Möglichkeit eröffnen, gängige Grenzziehungen zu destabilisieren und andere identifikatorische Gemeinschaften zu stiften.

Vorträge

Musikkulturelle Dinge auf der Grenze zwischen Subjekt und Objekt. Biographische und enaktivistischePerspektiven

Maik Exner (Koblenz)

Zwischen Imagination und Dinglichkeit. Grenzgänge zwischen Kunst und Alltagsobjekten in der Literatur des Fin-de-Siècle

Yashar Mohagheghi (Aachen)

Materielle Grenzmarkierungen und -auflösungen. Eine Erkundung der Performanz von Materialität in B/Order-Kontexten aus dem New Materialism

Stefanie Mallon (Oldenburg)

Grenzgänger: Objekte zwischen Kunst und Natur – transformierte Mikrokosmen

Valerie Ahlfeld (Lüneburg)