B/Ordering-Prozesse als Bordertexturen: Empirische Beiträge der kulturwissenschaftlichen Grenzforschung

Christian Wille (Luxemburg), Astrid M. Fellner (Saarbrücken)

AM 03

Das Doppelpanel der Arbeitsgruppe „Bordertexturen“ greift den in der B/Ordering-Perspektive angelegten Zusammenhang zwischen Grenzen und Ordnungen auf und entwickelt ihn über einen kulturwissenschaftlich orientierten Ansatz weiter. Ausgangspunkt dafür sind politisch-territoriale sowie kategoriale Grenz(ziehung)en und die von ihnen ausgehenden bzw. für sie wirksamen Ordnungen (Van Houtum/ Van Naerssen 2002). Neben den sozio-symbolischen bzw. ästhetisch-materiellen Manifestationsweisen solcher Ordnungen wird nach den Prozessen ihrer (De-)Stabilisierung gefragt und damit nach Pluralitäten, strategischer Organisiertheit und Aushandlungsformen des Zwischenkategorialen in B/Ordering-Prozessen. Diese an Dynamik und Komplexität orientierte Annäherung soll über den Ansatz der Bordertexturen gelingen, der Grenzen als ein a-zentrisches, multiskalares und volatiles Gefüge von Objekten, Körpern, Wissen, Tätigkeiten und Diskursen fasst (Weier/Fellner et al. 2018; Wille 2020; Wille/Fellner/Nossem i.V.). Unter Bordertexturen werden dann soziomaterielle und performative Verflechtungen verstanden, die ästhetische Verarbeitungen von Grenz(de)stabilisierungen ebenso einschließen wie (de-)stabilisierende alltagskulturelle Praktiken und helfen, Grenzexistenzen sichtbar(er) zu machen. Eine solche Perspektivierung von B/Ordering-Prozessen integriert den interessierenden Zusammenhang zwischen Grenzen und Ordnungen und ermöglicht es, diese über die an ihnen und durch sie wirksamen Elemente zu beschreiben und somit der kulturwissenschaftlichen Analyse zugänglich zu machen. Die Panelbeiträge in deutscher und englischer Sprache arbeiten mit dem Ansatz der Bordertexturen und beleuchten darüber das (konfliktuelle) Verhältnis von politisch-territorialen sowie kategorialen Grenz(ziehung)en und die von ihnen ausgehenden bzw. für sie wirksamen Ordnungen. Dabei wenden sich die Vortragenden empirischen Gegenstandsbereichen und Themenstellungen zu, die von Literatur und Film über Migrationspraktiken, Industriekooperation bis hin zu Lexikographie und Lyrik reichen.

Vorträge

Backstopped: (Re‐)Negotiations of the British/Irish Border in Recent Irish Literature

Joachim Frenk (Saarbrücken)

Von der Textur zur Bordertextur: Poetische Konfigurationen von Liminalität und Transgression in einer kulturwissenschaftlichen Perspektive

Sylvie Grimm‐Hamen (Nancy)

Lexicographic De-B/Ordering: Bordertextures and the Assemblage of the UniGR-CBS Glossary Border Studies

Eva Nossem (Saarbrücken)

Fluid Borders: Expanding Fixed Terrains with Jamaican Women in Montreal

Lisa Johnson (Trier)

Bordertextures in the American West: HBO’s Westworld

Bärbel Schlimbach (Saarbrücken)

B/ordering Processes in Whoop‐Up Country: Bordertextures on the Canada‐U.S. Border

Astrid M. Fellner (Saarbrücken)

B/Ordering‐Prozesse als Bordertexturen

Christian Wille (Luxemburg)